Planning Fallacy
Planungsfehlschluss
Du planst nicht die Realität. Du planst die Version, in der nichts schiefgeht.
Akut bei: Projekte · Deadlines · Umzug
Typische Selbstlüge
„Das geht sich locker aus.“
Was hier wirklich passiert
Beim Planen unterschätzen wir Dauer, Kosten und Risiken eines Vorhabens systematisch, obwohl frühere ähnliche Projekte fast immer länger gedauert haben. Wir planen den Idealverlauf und blenden die üblichen Störungen aus. Der Optimismus überlebt sogar die eigene Erfahrung mit verpassten Deadlines. Der Plan beschreibt die beste Welt, nicht die wahrscheinliche.
So klingt es in deinem Kopf
„Das mache ich heute Abend noch schnell.“ Drei Tage später läuft es immer noch.
Wie du dich sauber herausredest
Du sagst zu, eine Präsentation „bis Freitag locker“ fertig zu haben. Du rechnest mit dem Verlauf, in dem nichts dazwischenkommt — keine Rückfragen, keine Technikprobleme, keine müden Stunden. Am Freitag fehlt die Hälfte. Beim nächsten Mal schätzt du wieder genauso knapp, obwohl jede vergangene Schätzung zu kurz war. Genau so sprengen Bauprojekte, Umzüge und Software-Releases ihre Zeitpläne fast schon zuverlässig.
Woran du ihn erkennst
- Deine Zeitschätzungen ignorieren, wie lange Vergleichbares früher gedauert hat.
- Du planst den reibungslosen Fall als den Normalfall.
- Puffer kommen dir wie Schwäche vor, nicht wie Realismus.
Gefährlich bei
Launches, Umzüge, Hiring, Kundenprojekte, Deadlines.
Womit du ihn verwechselst
Eng verwandt mit dem Optimismus-Bias, aber enger gefasst: Der Optimismus-Bias betrifft jede rosige Erwartung an die eigene Zukunft, der Planungsfehlschluss speziell die Zeit- und Aufwandsschätzung für konkrete Vorhaben. Wer realistisch plant, aber das Ergebnis überschätzt, sitzt einem anderen Fehler auf.
Die unbequeme Gegenfrage
Schätze nicht von innen, sondern von außen: Wie lange haben vergleichbare Vorhaben tatsächlich gedauert? Nimm diese Zahl als Ausgangspunkt und plane Puffer für genau die Störungen ein, die jedes Mal kommen. Frag andere — sie überschätzen deine Geschwindigkeit seltener als du selbst. Und miss am Ende mit, wie weit du danebenlagst, damit die nächste Schätzung von der Realität lernt statt vom Optimismus.