Confirmation Bias
Bestätigungsfehler
Du suchst nicht Wahrheit. Du suchst Munition für deine bestehende Meinung.
Akut bei: Recherche · Einstellung · Streit
Typische Selbstlüge
„Ich will nur alle Seiten prüfen.“
Was hier wirklich passiert
Wir bevorzugen Informationen, die unsere bestehende Überzeugung stützen, und übergehen, was ihr widerspricht. Selbst dieselbe Evidenz lesen wir parteiisch — Passendes wird betont, Unpassendes weggeklärt. So fühlt sich Recherche wie Prüfung an, ist aber Bestätigung. Die Meinung steht fest, gesucht wird nur noch der Beleg.
So klingt es in deinem Kopf
Du googelst nicht, ob du recht hast. Du googelst, bis du recht hast.
Wie du dich sauber herausredest
Du liebäugelst mit einem Kauf und liest nun Bewertungen — bleibst aber an den positiven hängen, während die kritischen „bestimmt Einzelfälle“ sind. Am Ende fühlst du dich bestätigt, obwohl du nur deine Ausgangsmeinung wiedergefunden hast. Genauso verhärten sich politische Ansichten, weil jeder seine eigene Quellenwelt liest, und Personalurteile, weil wir bei Sympathischen nach Stärken und bei Unsympathischen nach Fehlern suchen.
Woran du ihn erkennst
- Du suchst nach Gründen für deine Meinung, nicht nach Gründen dagegen.
- Widersprechende Quellen kommen dir automatisch unseriös vor.
- Du erinnerst die Treffer, die dir recht gaben, und vergisst die anderen.
Gefährlich bei
Investments, Beziehungen, Kündigungen, Politik, Produktideen.
Die unbequeme Gegenfrage
Such aktiv nach dem besten Gegenargument, nicht nach der nächsten Bestätigung. Die hilfreiche Frage: Was müsste wahr sein, damit ich falsch liege — und gibt es Hinweise darauf? Wer eine Meinung wirklich prüfen will, liest die stärkste Quelle der Gegenseite, nicht die schwächste. Und wer jemanden überzeugen will, sollte dessen Position so gut wiedergeben können, dass dieser zustimmt. Erst wenn du die Gegenseite fair benennen kannst, prüfst du wirklich — alles davor ist nur das Sammeln von Belegen für das, was ohnehin feststand.