Fundamental Attribution Error
Fundamentaler Attributionsfehler
Bei anderen siehst du Charakter. Bei dir siehst du Kontext.
Typische Selbstlüge
„So ist diese Person eben.“
Was hier wirklich passiert
Das Verhalten anderer erklären wir mit ihrem Wesen, das eigene mit der Situation. Ihr Fehler ist, wer sie sind — unser Fehler war ein schlechter Tag. Wir überschätzen die Persönlichkeit und unterschätzen die Umstände, weil wir den Kontext der anderen nicht sehen. Dasselbe Verhalten bekommt je nach Perspektive zwei völlig verschiedene Erklärungen.
So klingt es in deinem Kopf
Er kam zu spät, weil er unzuverlässig ist. Du kamst zu spät, weil der Verkehr stand.
Wie du dich sauber herausredest
Ein Kollege antwortet kurz angebunden — „typisch arrogant“, denkst du. Als du selbst knapp reagierst, lag es am Stress, am Termindruck, an diesem einen Tag. Du kennst deine eigenen Umstände, seine nicht, also füllst du die Lücke mit Charakter. So entstehen Konflikte aus bloßen Situationen, die du als feste Eigenschaften liest, und ein einziger schlechter Moment der anderen Person wird zu ihrem Wesen erklärt.
Woran du ihn erkennst
- Du erklärst Fehler anderer mit ihrem Charakter, eigene mit den Umständen.
- Du blendest aus, was bei der anderen Person gerade los sein könnte.
- „So ist er eben“ kommt dir schneller als „vielleicht hatte er einen Grund“.
Gefährlich bei
Leadership, Konflikte, Beziehungen, Hiring, Feedback.
Die unbequeme Gegenfrage
Gib der anderen Person denselben Kredit, den du dir selbst gibst: Frag nach den Umständen, bevor du auf den Charakter schließt. Was würde diesen Menschen so handeln lassen, ohne dass er ein schlechter Mensch ist? Meist gibt es einen Grund, den du nur nicht siehst, weil du seine Situation nicht kennst — so wie andere deine nicht kennen.