Projection Bias
Projektions-Verzerrung
Du entscheidest für ein zukünftiges Ich, das wahrscheinlich nicht existiert.
Typische Selbstlüge
„Ich werde dann schon wollen.“
Was hier wirklich passiert
Wir projizieren unsere gegenwärtigen Vorlieben, Stimmungen und Bedürfnisse in die Zukunft und nehmen an, sie blieben konstant. Satt unterschätzen wir künftigen Hunger, ruhig unterschätzen wir künftigen Stress. Entscheidungen für das Morgen tragen so die Färbung des Heute. Wir planen für einen Menschen, der wir gerade nur zufällig sind.
So klingt es in deinem Kopf
Hungrig im Supermarkt kaufst du für eine Woche ein — und wirfst die Hälfte weg, weil das satte Du anders tickt.
Wie du dich sauber herausredest
Im grauen Februar buchst du voller Tatendrang eine straffe Aktivreise für den Sommer. Im Juli, erschöpft vom Halbjahr, willst du eigentlich nur liegen — der Plan passt zum Februar-Ich, nicht zum Juli-Ich. So kaufen Menschen Ausrüstung für Hobbys, die sie sich gerade wünschen, aber bald nicht ausüben, und treffen langfristige Entscheidungen aus einer Stimmung heraus, die längst verflogen ist, wenn die Folgen eintreffen.
Woran du ihn erkennst
- Du triffst langfristige Entscheidungen aus einer momentanen Stimmung heraus.
- Du unterschätzt, wie sehr sich dein künftiges Befinden vom jetzigen unterscheidet.
- Käufe und Pläne passen zum Moment des Entscheidens, nicht zum Moment des Nutzens.
Gefährlich bei
Käufe, Zusagen, Reisen, Karrierepläne, Lebensentwürfe.
Die unbequeme Gegenfrage
Triff Entscheidungen für später nicht im Extrem des Moments — nicht hungrig, nicht euphorisch, nicht erschöpft. Frag dich, wie sich deine Lage und deine Laune bis dahin verändert haben könnten. Was du heute kaufst oder zusagst, sollte auch dem Ich passen, das die Folgen tragen muss. Im Zweifel hilft ein nüchterner Moment zwischen Impuls und Entscheidung mehr als jede gute Absicht.